Farbwirkungen

Von Ute Zander

Farben umgeben uns täglich, sie sind Bestandteil unseres Alltags und haben ein großes Wirkungsspektrum.

Wir verbinden mit verschiedenen Farben unterschiedliche Assoziationen. Manchmal ganz bewusst.

Wahrscheinlich hast du auch schon manchmal bei der einen oder anderen Person gedacht, dass sie in ihrer gelben oder roten Kleidung komisch aussieht. Vielleicht zu aufdringlich oder auffällig? Wirkt ein kleiner Mensch in dunkelblau gekleidet nicht noch kleiner?

Farben werden in einigen Berufsgruppen sehr bewusst eingesetzt.

So zum Beispiel im medizinischen Bereich. Der Arztkittel ist weiß – die Reinheit. In Kliniken trägt das Personal inzwischen blaue Kleidung. Blau steht für Hygiene, aber auch für Vertrauen und Frieden. OP-Kleidung ist grün. Grün symbolisiert Natur, Gesundheit und Vitalität. Wahrscheinlich würden wir staunen und etwas misstrauisch sein, erschiene ein Arzt in dunkelbraunem Kittel. Wir würden ihn vermutlich für schmuddelig halten, während ein Tischler im braunen Arbeitsoverall uns professionell erscheint. Holz ist eben braun, aber unser Körper soll gesunden und hygienisch untersucht werden. Im Geschäftsleben wird die Farbe schwarz bevorzugt. Der schwarze Anzug oder das schwarze Kostüm strahlen Seriosität aus.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass auch die Werbung sich dieses Wissens bedient?

„Nivea“ ist ein gutes Beispiel. Es erreicht mit seinem gut gewählten Blauton den Verbraucher, denn dieses Blau verspricht Reinheit, Wahrheit und Treue.

Und nun zur Malerei:

Ebenso wichtig wie die Themen Perspektive, Komposition und Bildaufbau ist das Wissen um die Wirkungen von Farben im Bild. Möchtest du ein Bildelement besonders hervorheben, ist eine richtige Farbwahl ratsam. Genauso verhält es sich mit Bildpartien, die weit entfernt scheinen sollen, zum Beispiel in der Landschaftsmalerei. Manchmal gelangen wir auch an einen Punkt, an dem wir unser Bild träge, zu laut, aggressiv, oder auch zu wenig dynamisch finden. Auch das liegt häufig an einer (unüberlegten) Farbwahl. Setzt du dagegen Farben gezielt im Bild ein, kannst du erstaunliche Ergebnisse erzielen.

GELB lässt Flächen größer erscheinen. Das heißt, es strahlt über seine eigene Fläche hinaus. Es wirkt heiter, anregend, extrovertiert, grenzenlos und expansiv. Gelb bringt Licht ins Bild.

ORANGE ist der Vermittler verschiedener Farbtöne im Bild. Es unterstützt die Farbtöne in ihrer Kommunikation und ist geeignet, verschiedene Elemente im Bild zusammenzuholen. Orange ist leuchtend, gesellig, strahlend und brillant.

ROT ist sehr dominant im Bild. Es ist eine aktive Farbe, geradezu aufdringlich, selbst auf der kleinsten Fläche. Rot wirkt leidenschaftlich, kämpferisch und mächtig. Der Betrachter kann sich dieser Farbe nicht entziehen.

BLAU ist eine konzentrische Farbe. Sie wirkt entfernt und zieht den Blick nach innen. Blau wirkt kühl, frisch, tief, weit und ruhig. Auf vielen altmeisterlichen Gemälden werden die Berge in blau dargestellt. Dieser Ton schafft unendliche Entfernung und Weite im Bild.

VIOLETT ist eine magische Farbe und verleiht dem Bild etwas Mystik. Setzt man es großzügig ein, kippt die Stimmung schnell ins Dramatische.

GRÜN bringt in seinen helleren und reinen Tönen Harmonie ins Bild. Es passt sich an und wirkt im Hintergrund. Es wirkt vital, natürlich, frisch und hoffnungsvoll. Unsaubere Grüntöne können dem Bild etwas Trägheit verleihen.

BRAUN gibt dem Bild auf großen Flächen eine Schwere. Es zieht den Blick nach unten und ist damit für die oberen Bildpartien selten geeignet. Es wirkt rustikal, gemütlich, natürlich aber auch schnell alt, schwer und vergänglich. Brauntöne wie Siena gebrannt, Englischrot, Oxidrot und Goldocker wirken weder laut noch schwer, eher aromatisch.

SCHWARZ beeinflusst stark die Aussage benachbarter Bildflächen. Es lässt alle anderen Farben bunt erscheinen. Es wirkt dominant bis bedrohlich (auf großen Flächen).

WEIß wirkt rein, friedlich und unschuldig. Es verbindet sich positiv mit anderen Farben und lässt diese manchmal sanfter erscheinen. Es kann Flächen gelegentlich unfertig oder unbearbeitet wirken lassen.

Das Zusammenspiel verschiedener Farben verstärkt sowohl die Stimmung und Atmosphäre in deinem Bild als auch die Aussage. Manchmal genügt ein kleiner Pinselstrich in Violett, um dem Werk etwas Geheimnisvolles zu geben oder eine rote Bildpartie, um den Blick auf sich zu ziehen. Ein Klecks Gelb für heitere Gelassenheit und ein wenig Blau zum Träumen.

Die Wirkungen von Farben im Bild kannst du besonders gut feststellen, wenn du ein Motiv in unterschiedlichen Farbkombinationen malst und gegenüberstellst.

Farbwirkungen1 Bild 1: der blaue Himmel wirkt kühl, zieht den Blick nach hinten. Die rote Bergkette drängt sich auf. Der gelbe Weg strahlt scheinbar über seine Fläche nach links und rechts hinaus. Der kleine grüne Hügel wirkt unscheinbar, ebenso das braune Haus und die Zypressen.

Farbwirkungen2

Bild 2: der gelbe Himmel versucht über das gesamte Bild hinauszustrahlen. Die blauen Berge wirken dadurch nicht mehr so ruhig und weit entfernt. Der braune Hügel wirkt erdig und begrenzt. Das grüne Feld distanziert sich von dem roten Weg, der in den Blick auf sich zieht und das Bild teilt. Das orangefarbene Feld nimmt dieses gelassen hin.

Fabwirkungen3

Bild 3: der rote Himmel liegt feurig über den Bergen, die in ihrem hellen Gelbton strahlen und versuchen dagegen anzukämpfen. Das kleine Feld in violett erscheint rätselhaft. Der blaue Weg könnte auch ein Bach sein. Das braune Feld wirkt in seiner Größe träge und schwer. Das kleine rote Haus zieht den Blick nach oben.

Farbwirkungen4

Bild 4: ein heiterer, warmer Himmel legt sich über die Landschaft. Die Berge in violett vermitteln dagegen eine etwas dramatische Stimmung – gesteigert, durch den kleinen roten Hügel.

Etwas irritierend erscheint die braune Bildpartie, die neben dem grünen Weg und dem blauen Feld nicht so recht in dieses Bild zu passen scheint.


Ute ZanderUte Zander, 1967 in Hamburg geboren und aufgewachsen, arbeitet als freischaffende Künstlerin, Autorin und Initiatorin von Workshops. Ute Zander gehört zu den Kunstschaffenden, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Begeisterung gern auch auf andere übertragen möchten. Als Autorin mehrerer erfolgreicher Bücher über die Acrylmalerei, sowie auch als Veranstalterin zahlreicher Malworkshops, führt sie mit großer Freude Menschen zu deren eigener Kreativität.

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