Pigmente, Pigmente, Pigmente

Von Ute Zander

Täglich wirst du mit Pigmenten konfrontiert. Ist dir das bewusst?

Zinnoberrot

Du findest Pigmente nicht nur in Künstlerfarben, sondern auch in Lebensmitteln, Kleidung und vielen anderen Dingen, die dich im Alltag umgeben.

Schau mal auf das „Kleingedruckte“, z.B. in dekorativer Kosmetik. In Lippenstiften, Rouge und auch Lidschatten sind Farbstoffe enthalten, die zum Teil natürlichen Ursprungs sind. Auch die Deklaration von Marmeladen und Süßigkeiten ist diesbezüglich interessant. Dort findest du unter anderem den Farbstoff  E 120. Was verbirgt sich dahinter? Das Rot der Schildläuse – Cochenille!

In der Malerei unter der Bezeichnung Karminrot bekannt. Dieser Farbstoff wird aus dem Blut von Läusen hergestellt, die auf Kakteen leben und zur Rohstoff-Gewinnung auf speziellen Farmen gezüchtet werden. Das Blut wird dadurch gewonnen, dass Arbeiter mit sehr viel Fingerspitzengefühl die Läuse „melken“, ohne die Laus dabei zu zerdrücken. Eine hochpreisige Rohstoff-Gewinnung also, die du überwiegend in entsprechender Kosmetik findest und in qualitativ hochwertigen Künstlerfarben.

Pigmente, auch Farbpulver genannt, sind die Basis aller Künstlerfarben.

Echtgelb

Wie schon das Beispiel Karminrot zeigt, wird der Rohstoff  zum Teil aus dem Tier -und Pflanzenreich gewonnen. In dem Fall spricht man von organischen Pigmenten. Neben den organischen Pigmenten, gibt es auch anorganische Pigmente. Diese werden aus dem Erdreich und Mineralien gewonnen. Leider werden heute viele Pigmente durch synthetische Stoffe ersetzt, allen voran in sogenannten „Studienfarben“. Dieses ist mit ein entscheidender Grund, weshalb viele Farben, die in der Malerei verwendet werden, keine Leuchtkraft, Deckkraft und Brillanz aufweisen. In der Herstellung wird häufig auf teure Rohstoffe verzichtet.

Bei anderen Farben, wie dem Indisch-Gelb, war es unbedingt erforderlich, nach einem alternativen Rohstoff zu suchen. Dieser Farbstoff wurde früher aus dem Urin indischer Kühe gewonnen, die mit Mangoblättern gefüttert wurden, um ein entsprechend warmes, fast orangefarbenes Gelb herzustellen. Eine Qual für die Tiere, die dadurch häufig an Nierenversagen starben.

Ultramarinblau

Das populäre Indigo-Blau der „Blue Jeans“ wurde einst in Mitteleuropa aus der Waidpflanze gewonnen. Ein organischer Farbstoff, der durch das Zerstampfen von Blättern, die in der Sonne trocknen mussten, entstand. Die getrockneten Blätter wurden in große Gefäße gefüllt und mit menschlichem Urin bedeckt. Auf diese Weise wurde ein Gärungsprozess in Gang gesetzt, der den blauen Farbstoff aus den Blättern löste. Diesen Vorgang beschleunigte man, in dem man Alkohol hinzufügte. Da aber der Alkohol zu kostbar war, um ihn direkt in die

Gefäße zu füllen, wurde er vorher konsumiert und anschließend durch den Urin hinzugefügt. Eine Arbeit, die im wahrsten Sinne des Wortes „blau“ machte. Daher stammen übrigens die aus dem Volksmund verwendeten Begriffe „blau sein“ (betrunken) und „blau machen“( nicht arbeiten), sowie der „blaue Montag“. Die Arbeiter waren betrunken und an den Beinen blau, durch das Zertreten der Pflanzen. Das intensive Blau entstand erst durch das Sonnenlicht. Ein Oxidationsprozess, bei dem man nur gelegentlich umrühren musste und zuschauen konnte, wie sich die Brühe langsam verfärbte.Die Färber-Gesellen arbeiteten am Wochenende. Am Montag lagen sie (blau) in der Sonne und warteten auf das Ergebnis.

Zurück zur Farbgewinnung von Künstlerfarben beziehungsweise der Verarbeitung von Pigmenten.

Mit den Farbpulvern kannst du dir  auch als Hobbymaler verschiedene Farbtypen selbst herstellen.

Pigmente

Zur Herstellung einer Aquarellfarbe, teigst du das Farbpulver mit Wasser und Gummi arabicum an. Um die Leuchtkraft und die Fließeigenschaft der Farbe zu erhöhen, kannst du zusätzlich Glycerin und Honig hinzugeben.

Für eine Acrylfarbe benötigst du „Acrylbinder“ als Bindemittel, im Handel findest du es unter anderem auch als Plextol und Splendol.

Eine Ölfarbe kannst du dir aus Pigmenten, Leinöl und einer Naturharzlösung (Dammarharzstücke in Terpentinöl gelöst) herstellen.

Für eine Temperafarbe benötigt du ein frisches Hühnerei sowie Leinöl und/oder eine Dammarlösung.

Für alle Farbherstellungen findest du verschiedene Rezepte und Überlieferungen, die sowohl auf der Wissenschaft als auch Erfahrungen von Künstlern beruhen. Zur Konservierung von Farben werden heute in der Industrie in der Regel chemische Stoffe verwendet. Die „alten Meister“ bedienten sich ihrer Spucke. Diese gaben sie dem jeweiligen Farbbrei zu, um die Farbe haltbar zu machen. Galle konserviert…probiere es aus!

 


Ute ZanderUte Zander, 1967 in Hamburg geboren und aufgewachsen, arbeitet als freischaffende Künstlerin, Autorin und Initiatorin von Workshops. Ute Zander gehört zu den Kunstschaffenden, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Begeisterung gern auch auf andere übertragen möchten. Als Autorin mehrerer erfolgreicher Bücher über die Acrylmalerei, sowie auch als Veranstalterin zahlreicher Malworkshops, führt sie mit großer Freude Menschen zu deren eigener Kreativität.

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