Papierskulptur ⏤ mit Leichtigkeit in die dritte Dimension


März 2019

Mit Papier kannst du die plastische Gestaltung unbeschwert und mit „Leichtigkeit“ entdecken ⏤ das vielseitige Material bietet interessante Möglichkeiten, die dritte Dimension zu erobern.

Papier und Pappe haben einige Vorteile: sie sind kostengünstig und umweltfreundlich, flexibel und sehr gut formbar. Papierskulpturen sind verhältnismäßig leicht und können je nach Material und Technik äußerst stabil, aber auch fragil oder transparent sein.

Spezielle Werkzeuge oder Vorrichtungen sind nicht nötig. Es bedarf nur einiger weniger Vorbereitungen und der eigenen Experimentierfreude ⏤ schon kann es los gehen!

Wie ich zur Papierskulptur kam

2016 begann ich für ein Natur-Kunst-Projekt mit der Arbeit an meinen ersten Papierskulpturen: papierene Kokons und Waben.

Ich hatte zuvor zu diesem Thema mit verlassenen Wespen- und Hornissennestern gearbeitet und war fasziniert von den beeindruckenden Behausungen der Insekten. Da es mir u.a. um das Sichtbarmachen geht, entstand die Idee „eigene“ Waben aus ähnlichem und natürlichem Material, jedoch in größerer Dimension zu bauen.

Mich interessiert die perfektionierte Bauweise der Tiere sowie die Stabilität und Funktionalität, die sie mittels des „einfachen“, leichten und natürlichen Materials erreichen. Das papierähnliche Material gewinnen sie übrigens durch Abnagen von Zellulose von verwittertem Holz oder Rinden und verkleben diese mit ihrem Speichel.

Wabe Papierskulptur
Anja Badners Schritt-fuer-Schritt Foto 1_alt

Papier neu entdecken

Die zunehmende Beschäftigung mit Papier und die Entdeckung der riesigen Vielfalt hat bei mir zu einer wahren Sammelleidenschaft geführt.

Und ich kann nur sagen, es lohnt sich, eine eigene Sammlung von Pappe und Papier anzulegen, z.B. Pappkartons, Papprollen, Pack- und Geschenkpapier, Seidenpapier und weiteres mehr. So unterschiedliche Papiere und Pappen fallen im Alltag an und bei Bedarf ist es toll, auf diesen Fundus zurückgreifen zu können. Darüber hinaus können die „Papierentdeckungen“ wiederum zu neuen Inspirationen und Ideen führen.

Ich bin z.B. von folgender Entdeckung begeistert: weicht man z.B. die mehrschichtige Pappe eines Kartons oder Pralinenpolsters in Wasser ein, lassen sich in der Regel nach kurzer Zeit die einzelnen Schichten voneinander trennen, diese sind von unterschiedlicher Beschaffenheit und gut zum Kaschieren geeignet.

Mit der richtigen Technik in die dritte Dimension

Damit aus dem flachen Medium Papier eine Skulptur wird, gibt es verschiedene Vorgehensweisen.  Je nach Größe, Form und gewünschtem Ausdruck der Skulptur eignen sich unterschiedliche Techniken:

Papier- und Pappmaché kann für kleinere Skulpturen ähnlich wie Ton geformt werden. Wusstest du, dass sich getrocknetes Papier-und Pappmaché nach dem Trocknen ähnlich wie Holz weiterbearbeiten lässt?

Alle größeren Papierskulpturen benötigen ein formgebendes und stützendes Gerüst – die Armatur. Diese kann z.B. aus feinmaschigem Draht, Styropor, stabiler Pappe, Holz (vor allem bei sehr großen Arbeiten) oder einer Kombination daraus gefertigt werden. Darauf wird dann kaschiert und/ oder Papier-/Pappmaché aufgetragen. Durch das Kaschieren entsteht eine relativ glatte Oberfläche. Mit Papier-/Pappmaché sind die Möglichkeiten weiterer Formgebung während des Auftragens größer. Ggf. ist die Kombination beider Techniken sinnvoll (siehe auch Kasten rechts).

Natürlich kann auch ein vorhandener Gegenstand als Gerüst dienen, der dann in der Skulptur verbleibt.

Anja Badners Blog AbformungenAbformungen eignen sich hingegen besonders für transparente, durchscheinende Papierskulpturen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Luftballon, der mit Papierstreifen kaschiert wird (für spätere Stabilität sind mind. 2 Schichten notwendig). Der Ballon kann nach dem Trocknen einfach entfernt werden.

Bei festen Gegenständen muss auf den abzuformenden Gegenstand eine Trennschicht aufgebracht werden, so dass sich die papierene Abformung später lösen lässt, z.B. Vaseline oder eine dünne Folie sind geeignet. Je nach Ausgangsform sind ggf. mehrere Teilabformungen nötig, die später wieder zusammengesetzt werden.

Das ist alles noch recht theoretisch. Zur besseren Anschauung habe ich für dich eine Anleitung entwickelt, die dir Schritt-für-Schritt zeigt, wie ich eine Wabenskulptur fertige:

Pappmaché oder Kaschieren?

Die Herstellung von Papier- und Pappmaché erfolgt durch eingeweichtes und zerkleinertes Papier/Pappe und einem Bindemittel, meist Kleister. Durch Zugabe verschiedener Beimischungen können die Eigenschaften noch beeinflusst werden, z.B. Holzleim für eine höhere Festigkeit nach der Trocknung. Die Trocknung kann je nach Stärke lange dauern, die Masse schrumpft dabei ein und kann Risse bekommen. Diese sind aber einfach (wiederum mit Papier-/Pappmaché) nachzubearbeiten. Im getrockneten Zustand kann Papp-/Papiermache gut weiterbearbeitet, z.B. geschnitzt oder geschliffen werden.

Kaschieren nennt man das Bekleben einer Form mit Papier-/Pappstücken, meist auch mittels Kleister. Es ist zu bedenken, dass sich das Material im feuchten Zustand ausdehnt und beim Trocknen wieder zusammenzieht, deshalb sollten die Stücke nicht zu groß sein. Auch lassen sich mit kleineren Stücken komplizierte Formen besser kaschieren.

Wabenbau mit Papier ⏤ Schritt-für-Schritt-Anleitung


Verschiedene Pappen

Pappe zum Kaschieren

Hier siehst du einige mehrschichtige Pappen/Papiere, deren Schichten sich nach relativ kurzem Einweichen in Wasser voneinander trennen lassen. Sie haben unterschiedliche Strukturen und Eigenschaften. Eine der welligen Pappschichten (unten links) finde ich optisch sehr passend für die neue Wabe. Zudem ist diese Pappe eher weich und wird sich den runden Formen gut anpassen.

Papprollen

Das Gerüst

Pappröhren von Küchenrollen werden als Gerüst dienen. Diese Pappe ist so stabil, dass sie beim Einkleistern die Form behält, aber auch etwas flexibel um sich beim „Wabenbau“ anzupassen.

Die Länge beträgt hier ca. 7,5 cm. Ich habe die Röhren längs aufgeschnitten, den Durchmesser verkleinert und mit Klebeband fixiert: sie haben an einer Seite eine größere Öffnung, die später vorne sein wird. Dadurch wird die Wabe eine leichte Wölbung bekommen.

Papierskulptur im Aufbau

Weitere Materialien

Nun brauchst du zum Kaschieren nur noch Kleister und einen breiten Pinsel. Ich benutze handelsüblichen Tapetenkleister, den ich lieber etwas dicker anmische. Du kannst gleich mehrere Pappstücke, die in Kürze verwendet werden, einkleistern und reißt dann immer die entsprechende Größe zum Bekleben ab. Wäscheklammern helfen, die Arbeit zu fixieren bis sie getrocknet ist.

Anja Badners Schritt-fuer-Schritt Foto 4

Wenn der Anfang erst gemacht ist…

Zunächst klebe ich einige Röhren mit Kreppband zusammen (hinten links zu sehen) um einen stabilen Ausgangspunkt zu bekommen. Diese kaschiere ich oben, innen und unten mit Stücken der eingekleisterten Pappe. Es können auch gleich mehrere solcher Wabenteile gefertigt werden, um sie später zusammen zu setzen. Das äußere Kreppband muss nach dem Trocknen wieder entfernt werden, sodass die weiteren Röhren anliegen können.

Anja Badners Schritt-fuer-Schritt Foto 3

…kann es „richtig“ los gehen

Nach ca. einem Tag ist so ein Fragment getrocknet und du kannst rundherum weitere Röhren ansetzen und kaschieren. Bzw. die vorgefertigten Teile zusammensetzen. Die Röhren schmiegen sich noch besser aneinander, wenn du sie durch Klammern fixierst bis alles getrocknet und stabil ist (am besten gleichzeitig an der Vorder- und Rückseite).

Achte immer darauf, dass die Arbeit durch den Kleister insgesamt nicht zu nass und dadurch weich wird!

Papierskulptur im Aufbau

Hier erkennst du schon die Wölbung der Wabe. Durch die nicht exakt gleichen und etwas flexiblen Röhren ergeben sich die interessanten organischen Formen.

Die Wabe wird noch etwas weiter zu ihrer endgültigen Form und Größe „wachsen“, dann werde ich sie auch außen kaschieren und ggf. noch einige Stellen nacharbeiten. Die Papierskulptur kann durch Auftragen von wasserfestem Holzleim noch fester und stabiler werden.

Hast du Lust bekommen, es selbst mit einer Papierskulptur zu versuchen?

Probiere zunächst mit einfachen Formen, experimentiere mit Techniken und Papieren, die dich besonders ansprechen oder für ein geplantes Vorhaben interessant sein könnten!

Ich wünsche dir viel Freude, mit Papier die 3. Dimension zu erobern!

 

Anja Badners


Anja Badners lebt und arbeitet in Schenefeld bei Hamburg. Sie beschäftigt sich seit 2007 intensiv mit Kunst und Malerei. Die Themen ihrer künstlerischen Arbeit findet sie durch sensible Wahrnehmung ihrer Umwelt und der Natur. In ihrer aktuellen Werkreihe sind Fundstücke, meist rostige Metallteile, Ausgangspunkt der Bilder in Acryl/Mischtechnik.

Seit 2016 arbeitet sie außerdem an einem Natur-Kunst-Projekt zum Thema „bedrohte Vielfalt der Insekten“. Hierzu entstehen vorwiegend Collagen mit Naturmaterial und Papierskulpturen.

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