Liebe Bettina, wir haben uns 2016 in Hamburg bei einem Pentiment Sonntagkurs von Marc Lüders kennengelernt. Im selben Jahr haben wir gemeinsam den Sommerkurs von Rayk Goetze in Leipzig besucht. Du scheinst – wie ich – öfter Malkurse zu belegen und gehst dafür auch mal auf Reisen. Es freut mich, dass du dich bereit erklärt hast, an unserem ersten Interview teilzunehmen. Doch vielleicht stellst du dich erst einmal kurz vor.

Bettina Behrend, Selbstportrait, 2016

Selbstportrait, Eitempera auf Pappe, 65 cm x 45 cm, 2015

Was möchtest du zu dir als Person sagen?

Ich habe schon immer gern gemalt. Meine Begabung wurde auch früh erkannt und anerkannt, aber da erwartet wurde, dass man „etwas Richtiges“ lernt, habe ich dann statt Kunst Volkswirtschaftslehre studiert. Anschließend arbeitete ich im Institut für Friedensforschung unter Egon Bahr – eine interessante Zeit. 1985 gründete ich mit Reinhard Behrend  – jetzt mein Ehemann – den Verein „Rettet den Regenwald“ dem ich immer noch engagiert vorstehe.

Mich treiben zwei Dinge im Leben um: zum einen bin ich politisch sehr engagiert mit dem Schwerpunkt auf globale Umwelthemen und Artenschutz und zum anderen brenne ich für die Malerei.

Mein politisches Interesse hat meine Kunst anfangs stark beeinflusst: So wurde Wild Art, Malerei bedrohter Arten mein erster Schwerpunkt. In einer meiner frühen Ausstellungen „Elefantenwelten“ 2005 habe ich Spenden für den Verein “ Rettet die Elefanten Afrikas“ gesammelt. So haben sich beide Bereiche gegenseitig befruchtet.

Was machst du heute für Kunst?

Heute ist meine Kunst weniger politisch. Es interessiert mich mehr die Kunst an sich als Prozess. So gehe ich beim Bildaufbau einen intuitiven Weg. Es ist natürlich schon etwas da, was mich beschäftigt, ein Projekt oder eine Inspiration. Aber konkret wird es erst im Gespräch mit dem Bild.

In welcher Technik malst du?

Acryl auf Leinwand. Skizzen mache ich aber auch gern auf dem Touchscreen meines iPads. Ich bemerke immer wieder, dass Skizzen freier werden als die gemalten Bilder und dadurch das atmen, was Kunst eigentlich sein soll.

Was beschäftigt dich aktuell?

Ich komme gerade von einem von mir initierten Projekt aus Texas zurück, „Artbridge Hamburg – Austin“. Darüber habe ich im Hamburg1 Frühcafé am 31. 1.17 berichtet. Es war ein gelungenes Event. Hier ist Kunst als Medium gesehen worden, zur Begegnung von Menschen über kulturelle und sprachliche Barrieren hinweg.

Obwohl wir bei dem Projekt den Verkauf der Bilder nicht in den Mittelpunkt gestellt hatten, war er gut! Und damit das in die andere Richtung weitergeht, möchte ich als nächstes Künstler aus Austin zu einem gemeinsamen Auftritt nach Hamburg holen. Ich bin selber gespannt!

Wie bist du zur Kunst / Malerei gekommen?

Wie gesagt, privat gemalt habe ich immer schon. Aber den Wunsch, mich ausbilden zu lassen, bekam ich 1999 bei einem Aufenthalt in Klappholttal auf Sylt.  Dort nahm ich an der Akademie am Meer an einem Kurs von Ute Reichel teil. Danach blieb ich ihr treu und besuchte über Jahre einen wöchentlichen Kurs in ihrem Atelier in Hamburg .

Bettina Behrend, Leave them kids alone

Leave them kids alone, Acryl auf Leinwand, 80 cm x 60 cm, 2016

Welche Rolle haben bei deiner künstlerischen Entwicklung Kunstkurse gespielt?

Eine Ausbildung ist auf jeden Fall wichtig. Kein Maler ist wirklich Autodidakt. Selbst wenn man schon seinen eigenen Stil gefunden hat, ist es sinnvoll, Kurse zu besuchen. Ich sehe darin kein Eingestehen einer Schwäche. Eher ist es eine Chance zur Entwicklung als Künstlerpersönlichkeit. Es ist natürlich wichtig, Lehrer zu finden, die das zulassen.

Welche Art von Kursen hast du bevorzugt besucht, um weiterzukommen?

Zunächst war ich langfristig bei derselben Lehrerin, bei der ich altmeisterlich das Auftragen mit der Lasurmalerei verinnerlichte. Erst nachdem ich 2006 an einem Sommerkurs von Pentiment in der Hochschule Armgartstrasse teilnahm, wurde ich neugierig auf andere Herangehensweisen. Auch Aktmalen interessierte mich sehr.

Bleibst du gerne länger bei einem Künstler?

Ja, ich besuche gerne über einen längeren Zeitraum Kurse eines Künstlers. Das erlaubt, gemeinsam in die Tiefe zu gehen. Manchmal kommt dann aber der Punkt, wo es zu eng wird. Das ist vor allen Dingen dann, wenn die Identifikation mit dem Stil des kursgebenden Künstlers zu stark wird.

Ich buche dann gerne zusätzlich einen befristeten Kurs, um mich mit Abstand zum Bewährtem anregen zu lassen, vielleicht als Malreise oder es ist tatsächlich an der Zeit, für einen bewussten Wechsel des Dozenten.

Eine weitere Handlungsoption ist, einfach mal eine  Kurspause zu machen und im Atelier auf sich allein gestellt zu schauen, was produziert werden will.

Was ist dir bei deiner Kurswahl besonders wichtig?

Ich setze mich mit dem Stil des Dozenten auseinander: Wie sieht sein Œuvre aus? Mit wem hat er schon ausgestellt? Spricht mich sein Stil an? Was berichten andere ehemalige Teilnehmer? Nur bei einem fortlaufenden Kurs ist der Standort wirklich wichtig. Ansonsten finde ich einen Ortswechsel durchaus reizvoll.

Wie hast du in der Vergangenheit von den Kursen erfahren (Empfehlung, Flyer/Aushänge, Internet)?

Das meiste war über Empfehlung.

Kannst du dir vorstellen, deinen nächsten Kurs über FDM zu buchen?

Das Internet wird immer wichtiger. FDM erleichtert die Suche und liefert wertvolle Informationen über das Kursangebot. Ich würde dann vielleicht trotzdem noch drumherum recherchieren, aber wenn der initiale Impuls von FDM kam, würde ich auch darüber buchen.

Ein Wagnis ist die Teilnahme an einem neuen Kurs immer. Es bleibt spannend. Jeder, der sich auf den Weg macht, sollte das Wagnis eingehen. Es ist Teil der Entwicklung, weil ich nur durch Ausprobieren erfahre, was und wen ich jetzt gerade brauche. Letztendlich kann das keiner für mich machen nur immer wieder ich selbst!

Ein schönes Schlusswort, vielen Dank Bettina Behrend!

Die Künstlerin Bettina Behrend lebt und arbeitet in Hamburg.

www.behrend.info
www.facebook.com/bettina.behrend.9

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2017-05-15T18:15:38+00:00Categories: Blog, Interview|Tags: |